Das irische Tagebuch
Rothaarige, sommersprossige Menschen, die Guinness schon morgens zum
Frühstück trinken und abends hungrig ins Bett
gehen müssen, weil es auf der irischen Insel nichts bzw.
wenig zu essen gibt......Genau so stellt sich der normale
Irlandromantiker die grüne Insel vor. Und sieht dabei sicherlich
einen der berühmten Rosamunde Pilcher Filmen
an seinem inneren Auge vorbeiziehen. Aber, genauso wenig wie es die
Hobbits in “Herr der Ringe” irgendwo auf unserem Planeten gibt, ist
Irland so, wie man’s in den Filmen sieht.
Ich bin im Jahre 2001 nach Dublin gekommen. Ich hatte von
diversen, amerikanischen Firmen gehört, die in Dublin ihr
europäisches Hauptquartier haben und deutschsprachige Mitarbeiter
suchen. Im Internet gab es hunderter von Jobs für deutschsprachige in
Irland. So habe ich meinen Lebenslauf per E-Mail zu einigen Firmen
gesandt, ein paar Telefonate geführt und schon hatte ich Ihn: Den Job
als
Kundenbetreuer im Callcenter des größten Herstellers von
Kopierern weltweit.
Alles war, und bald wurde mir klar, dass es der Satz werden würde,
der mein Leben in Irland prägen wird: No Problem!!!!
Und eben das sollte man wissen, wenn man nach Irland kommt.
Wann immer ein Ire verspricht, eine Sache würde "No problem"
machen, sollte man auf alle möglichen denkbare und undenkbare Probleme
eingestellt sein.
In meinem ersten Lehrbeispiel wollte mein erster Arbeitgeber
unbedingt guten Willen zeigen und meine Fähren nach Irland buchen und
bezahlen. Und so stand ich nun an einem kalten Abend mit meinem Auto in
Rotterdam am Fährterminal und hielt nach der Fähre Ausschau. Gott sei
Dank, traf ich, am ansonst dunklen Terminal, auf einen Wachmann. Der
konnte mich darüber informieren, dass es eine Abendfähre ab Rotterdam
wohl im kommenden Jahr geben würde, im Moment sei eine solche Abfahrt
jedoch nicht vorgesehen. "No problem". Und so frage ich mich
bis heute, wie man mir die Details ( incl. einer Reservierungsnummer
für die nicht existierende Abfahrt!!!) mitteilen konnte.
Aber, nachdem ich dann für den nächsten Tag meine Weiterreise
selber organisiert und in Dublin eintraf, muss ich zur Ehrerrettung der
Iren sagen, dass es das reserviert Hotel gab und man dort tatsächlich
eine Reservierung auf meinem Namen hatte.

Wenn man als Deutscher in Dublin ist, so ist man erstmal völlig
überrascht. "Da kann man doch die katholische
Erziehung sehen. Junge Mädchen kümmern sich um ihre kleinen
Geschwister." Überall sieht man junge Mädchen mit kleinen Kindern
und Babies. Erst nach einiger Zeit lernt man, dass es sich hierbei nicht
um die kleinen Geschwister, sondern um die eigenen Kinder handelt.
Und wenn man ältere Frauen sieht, die einen Kinderwagen vor sich
herschieben, kann man sehr of davon ausgehen, dass es sich hierbei um
die Großmütter handelt. Überhaupt bleiben irische Mütter für mich
ein Rätsel. Wie diese Mädels es schaffen, ein Zigarette im Mund zu
halten, dabei in der einen Hand eine Cola Dose und in der anderen Hand
die unvermeintliche “Crisp-Tüte”, sprich, das inoffizielle,
irische Nationalgericht, eine kleine Tüte mit Kartoffelchips, zu
halten und dabei noch den Kinderwagen schieben können, ist
bewundernswert. Einige dieser Individuen schaffen es sogar noch,
während sie o.g. ausführen, ein Telefongespräch mit ihrem
Mobiltelefon zu führen.....
Nun kann man nach dem Lesen dieser Zeilen sicherlich der Meinung
sein, ich würde den irischen Stil verabscheuen und ablehnen. Nein, ich
liebe Irland und die Iren. Diese große
Nation der Dichter, Musiker und Schriftsteller, die den Jogginganzug
zum gesellschaftsfähigen Kleidungsstück erhoben haben. Es ist durchaus
nicht ungewöhnlich, eine Irin im Jogginganzug im Büro- vorzufinden.
Ich selber sehe so etwas jeden Tag.....
Und so ist dieses Tagebuch keine Abrechnung mit meiner temporären
Heimat, es ist lediglich der Versuch, Irland und die Iren so zu zeigen,
wie sie wirklich sind. Nicht wie in den bekannten Filmen, aber nichts
desto trotz liebenswert und in Ihrer Art einfach einmalig sympathisch..
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