Die jüngere irische Geschichte
Wie ist Irland Republik geworden und was hat es mit Nordirland auf sich ??
Dieser Zeitraum umfasst in etwa eine Periode von 200 Jahren und erklärt, warum Irland so ist, wie wir es heute kennen. Unterteilt in die Republik Irland und Nordirland, dass bekanntlich ja zu Grossbritanien gehört.
Wer heute nach Dublin kommt und eine Stadtrundfahrt bucht, wird auf dieser Tour unweigerlich am Postgebäude in der O´Connellstreet vorbeigeführt. Und da haben wir auch schon zwei Hauptdarsteller der irischen Vergangenheit. Dieses Postgebäude und Herrn O´Connell!!!
Das Postgebäude steht für den gescheiterten Osteraufstand von 1916. Und obwohl der Aufstand gegen die Engländer in ganz Irland stattgefunden hat, wird in Filmen und Büchern immer wieder die Szene geschildert, für die der Osteraufstand bekannt ist: Irische Freiheitskämpfer hatten sich in diesem Postgebäude verschanzt und wurden dort von englischen Kanonen zusammengeschossen bzw. zur Aufgabe gezwungen. Besonders tragisch ist, dass ein großer Teil der Personen, die kapituliert haben, später von den Engländern hingerichtet wurde..
Was der Osteraufstand genau war und wie er abgelaufen ist, liest man am besten hier.... |
Entscheidend für die Republik Irland, ist jedoch der Zeitraum von 1916 bis 1922. Ich habe hier einfach einmal aus einem vorher verlinkten Artikel zitiert:
Die Opfer des Aufstands sind schwer abzuschätzen. Man geht davon aus, dass ca. 500 britische Soldaten ihr Leben ließen. Auf Seiten der Iren (einschließlich Zivilisten) dürfte es doppelt so viele Opfer gegeben
haben. Der materielle Schaden innerhalb der großteils zerstörten Stadt wurde auf 2.500.000 Pfund beziffert.
Die Rebellen hatten zu dieser Zeit lediglich geringe Unterstützung durch die Bevölkerung – dies sollte sich erst durch die Repressalien der Briten ändern. Als die gefangenen Rebellen am Sonntag von einem Gefängnis in ein anderes verlegt wurden, führte man sie zu Fuß durch Dublin, wo sie vor allem in den ärmlichen Gegenden verspottet und beschimpft wurden. Insgesamt wurden 3.000 „Verdächtige“ verhaftet. Viele von ihnen landeten in Internierungslagern in Wales.
Auf direkten Befehl des Kabinetts in London war die Bestrafung schnell, geheim und brutal. Die 15 Anführer (unter ihnen alle sieben Unterzeichner der Oster-Proklamation) wurden vor ein Kriegsgericht gestellt und in der Zeit vom 3. bis 12. Mai durch Erschießen hingerichtet. Unter den Hingerichteten waren Willie Pearse (eigentlich kein Anführer; es wird angenommen, dass er aufgrund seines berühmten Bruders Patrick Pearse ebenfalls erschossen wurde), der kranke Joseph Plunkett sowie der tödlich verwundete Connolly, der auf einem Stuhl gefesselt erschossen wurde, da er nicht eigenständig stehen konnte. Die Hinrichtungen wurden erst nach ihrer Durchführung bekannt gegeben. Als dies bekannt wurde, führte es zu einer Welle der Empörung in ganz Irland, die selbst dann nicht abebbte, als Asquith diese Maßnahmen im Unterhaus verteidigte, und auch nicht, als er den Fehler einsah und den Befehlshaber Maxwell feuerte.
Eamon de Valera retteten Glück und seine amerikanische Herkunft vor der Hinrichtung (er war zwar Ire, wurde aber in Amerika geboren). Dies führte
zu einem Aufschub seiner Hinrichtung. Als letztendlich doch seine Exekution entschieden wurde und er „an der Reihe war“, waren die Hinrichtungen aufgrund der öffentlichen Meinung (in ganz Europa) generell gestoppt. Andere
Beteiligte wurden lediglich verhaftet, unter ihnen auch Michael Collins.
Die harten Maßnahmen nach der Niederschlagung des Osteraufstandes forcierten die antibritische Stimmung. Bei den Wahlen im Dezember 1918 erlangte die von Sinn Féin getragene Unabhängigkeitsbewegung 73 der 106 irischen Sitze im britischen Unterhaus. Im Januar 1919 traten in Dublin irische Abgeordnete zu einem Nationalparlament (Dáil Éireann) zusammen, erklärten die Unabhängigkeit und richteten eine Regierung unter Eamon de Valera ein, die von Großbritannien nicht anerkannt wurde. Dies führte zum Anglo-Irischen Krieg.
Mit der Government of Ireland Bill (1920), die je ein Parlament für Nord- und Südirland mit begrenzter rechtlicher Autonomie vorsah und das britische Parlament als letzte Instanz betrachtete, suchte die britischen Regierung unter Premier Lloyd George, mit dem Preis der Teilung der Insel, den Unabhängigkeitsforderungen entgegenzukommen.
Am 11. Juli 1921 führten die Verhandlungen mit de Valera einen Waffenstillstand herbei und mündeten am 6. Dezember 1921 in den Anglo-Irischen Vertrag. Nach der Annahme des Vertrages durch die Mehrheit des Dáil Éireann am 7. Januar 1922 konnte die Verfassung des „Irischen Freistaates“ am 6. Dezember 1922 in Kraft treten. Die sechs mehrheitlich protestantischen Grafschaften Ulsters erklärten durch Volksentscheid, als „Nordirland“ Teil des Vereinigten Königreiches bleiben zu wollen. Erst am 18. April 1949 trat die völlige Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien in Kraft.
Der Aufstand war die Geburtsstunde der IRA. Noch heute kämpft die „Irische Republikanische Armee“ (IRA) und die Sinn Féin für die Vereinigung der Republik Irland und Nordirlands.
Entscheidend für das, was heute Irland bewegt, sind die letzten beiden Ansätze. Von Kritikern der besagten Volksabstimmung wird gesagt, die Engländer hätten die Grenzen der Grafschaften so verlegt, dass sich eine mehrheitlich protestantischer Bevölkerungsanteil ergeben muss. Fakt ist jedoch, dass Protestanten und Katholiken in einigen Bezirken zusammen gewohnt haben. Und das sogar halbwegs friedlich. Nicht umsonst war Belfast der industrielle Hauptstandort in Irland. Die Werften waren weltberühmt und ich möchte hier nur daran erinnern, dass unter anderem ja auch die Titanic dort gebaut wurde.
Nur ging es nun mit Belfast und dem Norden bergab. Die IRA wollte die Protestanten und somit die Engländer vertreiben und die Protestanten haben mit Hilfe der englischen Armee zurückgeschlagen. Und so hat sich über Generationen seit fast 100 Jahren der Hass aufeinander aufgebaut.
Die IRA hat Leute entführt und ermordet und die Engländer haben entsprechend zurückgeschlagen. Als Beispiel möchte ich nur den “Bloody Sunday” anführen. Der Artikel hierzu ist wirklich lesenswert und zeigt sehr gut, dass das Geschehene noch heute seine Spuren hinterlässt bzw. in Irland und England in den Nachrichten eine Rolle spielt. Irlands Geschichte hat noch einen blutigen Sonntag, der bereits 1920 stattgefunden hat und auch nicht gerade die Beliebtheit der englischen Besatzer gesteigert hat.
Aber heute ist doch Friede und alle vertragen sich? Denkste !! Es wird immer noch gemordet. In diesem Jahr wurde ein ehemaliger Spion der Engländer, der in dem politischen Arm der IRA, der Sinn Féin tätig war in der Nähe von Sligo in Donegal ermordet. Hier ist ein Link zu einem entsprechenden Artikel. Umgekehrt werden weiterhin unsinnige Traditionsmärsche durchgeführt, um die Gegenseite zu provozieren. Link zu einem Artikel hier.
Warum nimmt das kein Ende? Es nimmt kein Ende, weil die beteiligten Parteien daran kein Interesse haben. Es mag ursprünglich einmal um die Freiheit der eigenen Partei, der eigenen Ansicht gegangen sein. Heute geht es nur um Macht. Die Spaltung ist tief und es bedarf nicht viel, die Spaltung aufrecht zu erhalten. Wenn heute z.B. ein Protestant in einem katholischen Stadtviertel von Belfast ein Haus kaufen will, dann bekommt er dafür von keiner Bank einen Kredit. Bei diesem Spiel geht es nur noch darum, Stadtteile zu kontrollieren. Und die Kontrolle bezieht sich im wesentlichen auf die Kontrolle der Einnahmen aus Drogenverkauf, Prostitution oder dem Schmuggel von sonstigen Dingen. Geht ein protestantischer Junge mit einem katholischen Mädchen aus? Natürlich nicht. Selbst wenn sich beide mögen und in einander verliebt sind, wäre es zu gefährlich. Dem protestantischen Jungen könnten z.B. die Beine gebrochen werden oder dem katholischen Mädchen das Gesicht zerschnitten. Und wer würde das tun? Ganz egal, es hängt davon ab, welche Seite zuerst zuschlägt. Beide Parteien unterhalten Schlägertruppen, die für die entsprechende Ordnung sorgen. In Deutschland gab es sowas auch einmal und nannte sich SA. Und die Methoden der irischen Streitparteien unterscheiden sich keineswegs von denen der Gruppe, die in Deutschland zwischen 1933 und 1945 aktiv war....
Die Führer beider Parteien, Garry Adams als Vorsitzender des politischen Armes der IRA, der Sinn Féin und Ian Paisley, der Vorsitzende der protestantischen DUP, werfen jeweils der anderen Partei vor, dass sie mordet, Waffenlager unterhält oder zum Hass und zur Unruhe aufruft.
Ich möchte hiermit auf keinem Fall sagen, dass beide an den kriminellen Aktivitäten beteiligt sind, wissen tun sie aber schon davon auch wenn sie immer wieder etwas anderes behaupten......
Das hier geschriebene wird bei den Beteiligten nicht gerade zur Steigerung meiner Beliebtheit beitragen. Aber: 1.) habe ich nicht vor, in nächster Zeit nach Belfast zu fahren und 2.) wenn behauptet wird, ich hätte mir beim
täglichen rasieren aus Versehen den Kopf abgeschnitten, wissen wir alle, dass es nicht unbedingt wahr sein muss sondern andere Gründe vorliegen könnten..... |