Bertie Ahern tritt zurück

Bertie Ahern, der keltische Dalai Lama, hat am 06. Mai 2008 die politische Bühne verlassen und die internationale Politik um eine ihrer schillernsten Figuren beraubt.

Irland, das ist Guinness, U2, Schafe und eben besagter Bertie Ahern, irischer Kanzler oder aber Taoiseach wie der Kanzler hier genannt wird. Von den Iren wurde er liebvoll „cheeky little Bastard“ getauft, „unverschämter kleiner Schlawiner“! Das er bestechlicher war als mancher südamerikanischer Diktator, meint eigentlich jeder zu wissen, nur beweisen kann man es ihm nicht. Seine Aussagen vor dem Mahon Tribunal, der staatlichen Kommission, die diesem Vorwurf seit Jahren nachgehen soll, kann kein neutraler Beobachter einen gewissen Unterhaltungswert abschlagen. „Ich bin unbestechlich und kann doch eigentlich nichts dafür, dass befreundete Geschäftsleute nach meiner Scheidung mir Geld zugesteckt haben. Erwartet haben die nichts. Nein, es war eigentlich ein Darlehen! Die wollten es aber einfach nicht zurück haben.“ Keine Woche ohne neue Enthüllungen. Das ist nichts besonderes und niemand ist überrascht. Das einzige, was den Iren erfreut, sind Berties ausreden. „Das der Koffer, mit dem ich aus Manchester zurückgeflogen bin, voller Geld war, ist eine unverschämte Lüge. Meine Unterwäsche war auch noch drin...“. Klasse Bertie !!!

Und trotz seiner finanziellen und privaten Eskapaden war er beliebter und konnte mehr Begeisterungsstürme unter der Bevölkerung hervorrufen, als jeder kommunistische Diktator es von seinen Untertanen verlangen würde. Sicherlich, er ist ein Mann des Volkes geblieben den man sich eher im Pub an der Ecke vorstellen konnte als auf internationalen Konferenzen. Und so hat „the Bertie-way of doing politics“ nicht nur zur nachhaltigen Versöhnung mit dem Erzfeind England beigetragen, Berties Rolle im Nordirischen Friedensprozess kann sicherlich nicht hoch genug eingeordnet werden. Jeder, der einen irischen Politiker und einen nordirischen Protestantenführer vor Jahren gehört und im Vergleich den Umgang zwischen Bertie Ahern und Reverend Ian Paisley heute sieht, fragt sich, was wäre, wenn andere Politiker mehr wie Bertie wären? Saddam und Georg W. würden Golf in Basra spielen. Gut, Air Force One wäre voller Koffer mit Bargeld, aber Millionen von Irakis und tausenden Angehörigen von Kriegstoten wäre das sicherlich egal und das geringere übel....

Hauptgrund für die Beliebtheit des Taoiseach dürfte jedoch der Wirtschaftaufschwung in der letzten Dekade gewesen sein. Irland ist wirtschaftlich vom Entwicklungsland zu einem der reichsten Ländern auf dieser Erde geworden. Keltischer Tiger wird das Land genannt. Nur leider ist aus dem keltischen Tiger in den letzten Monaten ein altersschwacher Kater geworden. Zurückgehende Hauspreise und steigende Arbeitslosenzahlen sind ein Indikator. So sind die Arbeitslosenzahlen im letzten Monat zum ersten mal wieder höher als in England. Und in den Boomjahren ist nichts für die Infrastruktur getan worden . Ein Gesundheitswesen, über das sogar der sudanesische Präsident stürzen würde oder ein öffentlicher Personennahverkehr, der im nigerianischen Hinterland besser ausgebaut und zuverlässiger ist, sind nur zwei Beispiele.....

Vor diesem Hintergrund ist die Aussage Berties, sein Rücktritt hätte nichts mit den Untersuchungen zu seinen Finanzen zu tun, die reine Wahrheit. Der „cheeky little Bastard“ weiß, das man seine Position auf dem Höhepunkt aufgeben soll. Von jetzt ab geht es genauso schnell bergab, wie es in den letzten Jahren berauf gegangen ist. So schnell, dass sich Berties Nachfolger wie der Kapitän auf der Titanic fühlen wird. Irland wird sich auf das konzentrieren, was es war: Guinness, U2 und Schafe !!

Und so werde nicht nur ich Bertie vermissen. Bertis Abgang lässt auch mich nach nahezu einer Dekade über meinen Abschied aus Irland nachdenken...

Good Bye Taoiseach

 

 

Bartholomew Patrick (Bertie) Ahern

Geboren: 12. September 1951
In: Dublin, Irland
 
   
   
 
   
 

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